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Barbara Hömberg

Am Anfang war die Blockflöte…

In der 3. Klasse startete meine musikalische Grundausbildung (so hieß das wirklich), mit Glockenspiel, Notenlernen und – wie könnte es anders sein – der Blockflöte. Damit nicht nur die Eltern und Oma was davon hatten, spielte ich recht bald im Blockfötenchor der Kirchengemeinde mit. Dabei wurde mir klar, dass es nicht die Blockflöte bleiben sollte, sondern ein „richtiges“ Instrument musste her. Nur was? Die Mutter hätte das Cello gern, doch dagegen sprach das Stimmen und mögliche Singen. Also ein Blasinstrument. Die Musikschule der Stadt Heiligenhaus, wo wir damals wohnten, veranstaltete jährlich einen Tag der offenen Tür, wo in kleinen Konzerten die Instrumentenfamilien vorgestellt wurden und alle Instrumente ausprobiert werden konnten. Danach stand fest: ich will Querflöte lernen. Beim Flöten kann nicht gesungen werden und durch die quere Spieltechnik hebt sie sich wohltuend von den anderen Blasinstrumenten ab.
Nach einem weiteren halben Jahr Blockflöte, war es dann soweit, meine erste Flötenstunde und eine viel versprechende Schülerinnen-Querflöten-Karriere nimmt ihren Lauf… Auch Zeugnisanmerkungen wie „Barbara besitzt einen guten Ansatz und einen schönen Ton, leider sind starke rhythmische Schwächen vorhanden“ oder „Barbaras Leistungen im Fach Querflöte ließen sich bei längerer Übezeit wesentlich verbessern“ hielten mich nicht davon ab, mein Können im vierten Unterrichtsjahr im Schülersinfonieorchester und dem symphonischen Jugendblasorchester der Musikschule unter Beweis zu stellen. Bald ergänzte die Piccoloflöte mein Orchesterrepertoire, sehr zur Freude unserer Nachbarn. Parallel nahm ich am Musiktheorieunterricht teil, begann in der Singklasse der Musikschule mit Gesangsunterricht (!) und war in mehreren kleinen Ensembles aktiv.
Die Musik bestimmte mein Leben und ich überlegte, ob es auch beruflich eine Option sein könnte und wechselte zur 9. Klasse auf das musische Gymnasium Essen-Werden. Die Musikschwerpunktklasse verlangte das Spielen eines Tasteninstrumentes, vorzugsweise Klavier. In Ermangelung desselben, fragte ich unseren Organisten in der Gemeinde und begann Kirchenorgel zu lernen. So erfreute ich die nächste Gemeinde mit meinem musikalischen Können. In der Oberstufe gelang es mir – Piccolo sei Dank – in das Schulorchester als 6. Flöte und Piccolo und in den Schulchor aufgenommen zu werden. Bis zum Abitur spielte ich dort und im Blasorchester mit und spielte viele Konzerte, nahm an Konzertreisen nach Süddeutschland, England und Frankreich und Schallplattenaufnahmen teil. Für mich war es ein besonderes Geschenk, dass ich 20 Jahre später zum 100jährigen Schuljubiläum noch einmal mit dem Schulorchester in der Essener Philharmonie spielen durfte. Die Zeit am Werdener Gymnasium zeigte mir, dass ich zwar viel und mit viel Freude Musik machte, jedoch die angehenden MusikstudentInnen meiner Klasse in einer ganz anderen Liga spielten und ich verabschiedete mich von dem Traum der Berufsmusikerin.
Ich studierte - meiner zweiten Leidenschaft folgend - in Bonn und Berlin Politikwissenschaften und fing als Projektleiterin im EWA e.V. -Frauenzentrum an zu arbeiten. Nach einigen Jahren machte ich berufsbegleitend meinen Master of Public Management und arbeite weiter im EWA. Die Musik rückte in den Hintergrund, da ich kein Ensemble fand, dass eine Querflöte mit dazugehöriger Laienspielerin benötigte… Doch eines Tages machte mich unsere EDV-Dozentin auf das Frauenblasorchester Berlin aufmerksam, in dem sie selber Tenorsaxophon spielte. Während eines Soli-Konzerts im EWA lernte ich die Improgruppe und die Dirigentin kennen, die nicht gleich sagte „oje noch eine Querflöte..“, sondern mich zu dem nächsten Konzert auf den Chamissoplatz und einer Probe einlud. Vier Jahre später kann ich sagen: trotz langer Spielpause geht es noch und mich hat es wieder gepackt, das Musizieren. Es macht unwahrscheinlich viel Spaß in diesem phantastischen Orchester mitzuspielen.

 …und jetzt die Berliner Philharmonie!