Logo FBOB

Porträt des Monats

Foto Bettina

Bettina Rienth

Auf verschlungenem Pfade

Mein musikalischer Werdegang begann im Alter von 10 Jahren mit einem Cello in einem kleinen 300 Seelen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Meine Geschwister  lernten auch alle ein Instrument, und so war es nur folgerichtig, dass auch ich an die Reihe kam. Eigentlich wollte ich wie meine große Schwester  Klavier spielen, aber für das Instrument gab es an der Musikschule keinen Platz mehr und ich wurde überredet, es doch mal mit dem Cello zu versuchen. Dies tat ich dann auch und hatte Spaß am Instrument und an den Tönen, die sich dem Bauch des Cellos  entlocken ließen. Leider bestand mein Vater darauf, dass ich im Rock zum Cello Unterricht zu gehen hätte. Also wenigstens einmal in der Woche war der Streit unausweichlich und führte zu ersten großen Auseinandersetzungen mit meinem Vater derer noch viele folgen sollten.
Nach drei Jahren emsigen Streichens fand dann mein Lehrer auch noch  heraus, dass ich nicht eine Note lesen konnte. Dies führte gänzlich zum  jähen Ende meiner Cellokarriere, und ich musste die Musikschule verlassen.
Zum Glück kam zu der Zeit die Musik von Deep-Purple an mein Ohr, und ich hatte ein neues Vorbild, Ritchie Blackmore der Lead Gitarrist. Er spielte die Gitarre auf eine Weise, dass es mich einfach mitriss, und zum Glück stand zu Hause eine Gitarre herum. Ich verbrachte dann viele Stunden mit einer Klampfe in der Hand und spielte mir dicke Hornhaut an die Fingerkuppen. Nachdem ich so einige Lieder abgehört und abgeguckt hatte  (heimlich im Westfernsehen bei Musiksendungen von Ilja Richter und der Schaubude) traute ich mich mit der Gitarre in die Öffentlichkeit und spielte in einer Band und vermisste dabei keine Note.
Durch Zufall kam ich an ein Tenorsaxophon. Mit dem Hinweis, es ist zu greifen wie eine Blockflöte, blies ich die ersten Töne. Bald zeigte sich, dass die Griffe wohl leicht zu erlernen waren, aber so ein Saxofon auch richtig beatmet werden will. Mir wurde  klar, ohne Unterricht und regelmäßiges Spielen werde ich dies Instrument nicht  spielen können.
Durch Zufall erfuhr ich über eine Freundin, dass sich ein Frauenblasorchester gründet, und ich wollte wenigstens einmal schauen, ob ich da mit reinpassen könnte. Das erste Treffen des heutigen Frauenblasorchesters  in der Fabrik in der Osloer Str. hat dann die Initialzündung  für mein weiteres musikalisches Leben gegeben. 
Im Unterricht erst an einer Musikschule und dann bei Astrid stellte ich mich erneut der Aufgabe, sowohl den richtigen Ansatz als auch die Noten zu lernen. Diesmal war ich erfolgreicher, auch wenn das schnelle Erfassen und Analysieren der Noten und Rhythmen mir immer noch schwer fällt. Inzwischen hat mich auch noch das Barrisax gelockt, das Gefühl, einem Musikstück den Grund mit der Bassstimme zu geben, ist für mich ziemlich erhebend, manchmal auch angsteinflößend, wenn auf dem Notenblatt „viele schwarze Punkte mit winkenden Fähnchen“ rumlungern.
Viele Jahre war ich überzeugt, Notenanalphabetin und für ein Orchester nicht  geeignet zu sein. Das Musizieren in diesem Orchester hat meine Überzeugungen einfach unwichtig gemacht.
Nichts ist so wie es scheint, und nichts muss bleiben wie es ist.