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Caspar Gutsche
Als Jahrgang 61 bin ich aufgewachsen in Köpenick,
umgeben von viel Wasser. Köpenick hatte eine Musikschule.
Und ich hatte Interesse. Ein Instrument zu spielen war etwas
Besonderes. Woher ich mich bereits als Kind nach
Allein-stellungsmerkmal und individueller Lösung sehnte,
bleibt unge-klärt. Das hatte zur Folge, dass ich nicht
bereit war, die Mühsal, ein Instrument zu lernen, auf mich
zu nehmen, es sei denn, es ist eine Trompete. Letztlich bin
ich doch nur im Chor gelandet und fand das, wie man heute
sagen würde, höchst uncool. Meine Neugier erlahmte auf der
Stelle, als all die bra-ven Kinder um mich rum gehorsam vom
Blatt sangen. Ich ent-wickelte eine natürliche Abneigung
gegen das Notenlesen. Abenteuer und Trost fand ich auf dem
Wasser und auf der Straße, bei selbst gewählten sozialen
Kontakten in Cliquen und beim Sport. Ein Kontakt führte mich
mit 15 (ich ging locker für 18 durch) zur
Betriebskabarettgruppe des Zentrum Waren-hauses. Es gab
einen hornalten Pianisten und lauter musika-lische
Revuenummern im Programm. Ich war gut im singen nach Gehör,
denn mir wurde gern zugehört. Es folgten Jahre von „ich weiß
nicht, was ich singen soll“, bis ich auf die Idee kam, mir
meine Texte selber zu schreiben, was sich bis heute gehalten
hat.
Und dann kam es zu einem Umstand in meiner Feldforschung,
was denn nun wirklich Liebe ist, der mich nach Quedlinburg
verschlug (obwohl ich große theoretische Klarheit hatte,
dass man der Liebe nicht ins Irgendwo folgen sollte).
Immerhin ahnte ich, ein Rettungsanker täte mir gut. Es wurde
eine Tuba, genauer ein Sousaphon. Ein wenig
größenwahnsinnig, aber ein Anfang. Das ganze lief auf
Meditation mit tiefen Tönen im Dachgeschoß hinaus. Allein
das Gewicht meines Sousaphons stand dem Erfolg meiner
einsamen Meditationen im Weg. Ein Besuch in einer
Blechwerkstatt ließ mich dann zu wahrer Liebe zu einem
Instrument verfallen, welches sich Bariton nannte. Ein
tiefes Horn also, das zu spielen meiner geringen Körperhöhe
viel mehr entsprach. Es war wie singen ohne Text, dafür nach
Noten. Immerhin kannte ich ja schon den Bassschlüssel von
meinen Klang und Rhythmusbe-mühungen am Kontrabass, dem ich
mich eher halbherzig mit Anfang 30 genähert hatte.
Mit dem Horn war alles anders. Also nahm ich Technikstunden
bei einem jugendlichen Posaunisten in Quedlinburg und konnte
mich recht zügig qualifizieren. Und dann entdeckte ich bei
einem Berlinbesuch in der Zitty die Frauenblasorchester in
Gründung Annonce. Nachdem Astrid am Telefon nicht abgeneigt
war, meine Frage „ob auch Spaß vorgesehen ist“, mit einem
überraschten ja zu beantworten, stand ich prompt und ab dem
ersten Tag auf der Matte. Nach wie vor bin ich sehr froh,
von Anbeginn dabei zu sein, um mir gemeinsam mit anderen
Orchesterunerfahrenen das Repertoire erarbeitet haben zu
können. Das mit dem Spaß ließ sich bisher ganz besonders auf
den Orchesterfahrten einlösen. Und es ist mir nicht selten
ein Vergnügen, Teil dieser außergewöhnlichen Anhäufung von
Frauen zu sein, mit denen sich erwachsener Umgang im
Miteinander und die Leidenschaft zu ebenso gepflegtem wie
tatsächlich gemeinsamem Musizieren teilen lässt.
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