Logo FBOB

Porträt des Monats

Claudia Schmidt Claudia Schmidt
Ich komme aus einer durchaus musikalischen Familie. Mein Vater ist der ausdrucksstärkste und intonationssicherste Pfeifer, den ich kenne. Und er war in seinen frühesten Jugendjahren ein leidenschaftlicher Mandolinenspieler im Orchester seines Heimatdorfes.
Meine Mutter hält sich, was ihre musikalischen Talente betrifft, zwar immer etwas zurück, aber ich weiß, dass sie in der Lage ist, auf einem Akkordeon ein Musikstück überzeugend zu interpretieren, wenn man ihr genügend Zeit lässt.

Ich selbst trat kurz nach Schulbeginn dem Schulchor bei. Dort hatte ich im zarten Alter von
acht Jahren meinen ersten Auftritt mit einem Blasinstrument: Peter aus der 3. Klasse sang
"Sah ein Knab` ein Röslein stehn..." und ich begleitete ihn auf der Mundharmonika. Es war
ohne Frage ein gewagtes stilistisches Experiment. Aber Kindern verzeiht man fast alles -
das Publikum im Altersheim fand Gefallen an unserer Darbietung. (Vielleicht funktionierten
auch die Hörgeräte nicht richtig.) Wir bekamen viel Applaus.

Meine kurze musikalische Karriere brach trotzdem ab. Ich lernte noch einige Stückchen
auf der Mandoline meines Vaters zu spielen, konnte bald fast ebenso expressiv pfeifen
wie er, ließ mir von meiner Cousine ein paar Griffe auf der Gitarre zeigen, spielte aber nur
sehr selten für fremde Ohren. Stattdessen ging ich begeistert in Konzerte - Klassik, Jazz,
Rock, Folk. Und Klezmer. Was für eine Energie! Irgendwann entdeckte ich das Tanzen.
Das war viele Jahre lang mein Element. Es gab nur eine einzige Sache, die mir noch
spannender und energiegeladener schien: Selbst auf der Bühne Musik zu machen. Am
beeindruckendsten fand ich immer das, was die Klarinettisten und die Saxophonisten
fabrizierten (natürlich auch Meister Feidman...). Ein besonderer Klang, der meinen ganzen
Körper gefangen nahm. Aber das reichte noch nicht, mich zu überzeugen. Nach meinem
wirtschaftswissenschaftlichen Studium nahm ich erst noch einmal Anlauf mit Gitarren-,
Gesangs- und E-Bass-Unterricht und bekam zwei Kinder, bevor ich mich endlich zu
meiner ersten Klarinettenstunde aufmachte. Da war ich 33.

Meine Lehrerin war etwas mehr als halb so alt wie ich. Sie stellte einen Koffer mit einer in
ihre Teile zerlegten Klarinette vor mich hin und sagte: "Probier mal!" Dieses Erlebnis war
eine Art Initialzündung. Ich baute das Instrument zusammen, als hätte ich nie etwas
anderes getan, fand den ersten Ton und wollte von diesem Moment an auch nichts
anderes mehr tun. Ein halbes Jahr später hielt mir diese Lehrerin eine Anzeige vom
Frauenblasorchester vor die Nase, das Mitspielerinnen suchte. Heute bin ich ihr dankbar,
damals war ich entsetzt, und obwohl ich mir nichts sehnlicher wünschte, als Musik zu
machen, dauerte es noch einige Monate, ehe ich mich dorthin wagte. Das war im Sommer
2005.

Inzwischen habe ich drei Kinder, spiele immer noch leidenschaftlich gern im Orchester und
bin gespannt darauf, was das Leben noch so für mich bereit hält.