Porträt des Monats
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Irmgard
Stellmaszek Als eine der jüngsten - nach Lebensjahren allerdings mit Abstand eine der ältesten - Mitspielerinnen darf ich heute meine Musikgeschichte erzählen: Die Liebe zur Musik wurde mir wohl schon in die Wiege bzw. das Kinderbett gelegt - meine Mutter sang mir von klein auf Lieder zur Gitarre vor; mein Vater spielte Geige und Trompete, und beide sangen sie im Kirchenchor der Berliner Stadtmission. Seit meiner Schulzeit singe ich fast ununterbrochen in Chören, z.Z. in zweien: dem Konzertchor der Berliner Stadtmission "Capella Kreuzberg" und einem kleinen "Querbeetchor", den Sonntagssingern im Wedding. Mein erstes Instrument bekam ich mit 8 Jahren - eine Mundharmonika, das einzige das ich auswendig und nur auswendig spielen kann. |
Es
folgten mehr oder weniger erfolgreich Klavier-, Flöten-, Gitarren-,
Mandolinen- Unterricht. Und dann waren da ja auch noch die Instrumente
meines Vaters - die Geige, bald wieder in den Kasten gelegt und das
Piston (eine Art Schrumpftrompete). Damit stieg ich in einen
Posaunenchor der Stadtmission ein, lernte ziemlich schnell und
wechselte bald wegen akuten Spielermangels mit einem geliehenen
Waldhorn in die 3. Stimme und hatte 8 Jahre lang mitgeholfen, die
Gegend um den Südstern musikalisch unsicher zu machen, was besonders
sonntags morgens in Höfen nicht nur Wohlwollen hervorrief.
Dann war aus verschiedenen Gründen Schluss mit dem Blech. Das
Klavier hatte schon vor längerer Zeit wegen Mottenfraß sein
melodisches Innenleben eingebüßt und endete sehr zur Erleichterung
der Nachbarn als Feuerholz. Mit Freunden machte ich noch eine Weile
Hausmusik mit Flöten (auch das sind richtige Instrumente!), aber
auch die endete schließlich.
Mein Berufsleben bewegte sich in der Rentenversicherung, und in der Betriebsband
spielte ich eine Zeit lang Gitarre. Kam damit aber nicht weiter, und
das war’s dann. Heute kann ich nicht einen Griff mehr.
Vor ca. 4 Jahren
kam ein kleiner Posaunenchor – fast alle 50 plus – zu einem
Bläsergottesdienst in unsere Gemeinde. Einige Gesichter kannte ich
vom Sehen noch von früher, die hatten also nicht aufgehört. Und dann
saß ich da und hörte zu – 40 Jahre hatte ich nichts vermisst, und
plötzlich war da eine große Sehnsucht „könnte ich doch wieder
mitspielen, aber vergiss es, das ist vorbei.“ Nennt es Zufall oder
Fügung – einige Wochen später kam ich mit dem Leiter der Gruppe ins
Gespräch und erzählte ihm davon. Sein Kommentar: „kein Problem, ein
Waldhorn haben wir übrig“. Und so kam ich wieder zu einem Waldhorn
und darf seither in der Gruppe die Tenorstimme unterstützen.
Hier kam ich auch
mit dem Bläserensemble „Harmonic Brass“ in Kontakt, machte einen
(inzwischen drei) Workshop(s) mit. Man verhalf mir zu einem deutlich
besseren eigenen Horn, und mir war klar, damit will ich mehr
erreichen als „nur“ 3. Stimme im Posaunenchor. Seit gut zwei Jahren
nehme ich „richtigen“ Unterricht für das Horn als Konzertinstrument,
und einmal wöchentlich treffe ich mich mit einem meiner Chorleiter
zum Horn/Klavierspielen. Meine Lehrerin entdeckte die Anzeige im
Zitty und machte mir Mut, mich zu bewerben. Und so ist mein Wunsch,
mehr zu erreichen, schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit in
Erfüllung gegangen. Eine große Herausforderung (das Horn wird ja
boshafter weise auch als Glücksspirale bezeichnet), aber dank der
Unterstützung und Geduld insbesondere der Hornkolleginnen auch eine
große Freude.
Ach ja, die wirklich bescheidenen Reste meiner
Klaviererfahrung nutze ich sonntags für die Musik in unserer
Kirchengemeinde (Stadtmission Kreuzberg in St. Lukas, Bernburger
Str. 3 – 5). Hat da vielleicht jemand Zeit und Lust, gelegentlich
sonntags ehrenamtlich an Flügel/Orgel auszuhelfen?