Logo FBOB

Porträt des Monats

foto maria 

 Maria Hammerschmidt

 Silbermöwe und Backararose

 Welch ein Glück, dass ich meine große Schwester habe. Seit   ich sie bewusst wahrnahm war sie aus tiefstem Herzen  musikbegeistert. Sie spielte Blockflöten jeder Größe und  Stimmung mit viel Gefühl und infizierte mich damit seit  frühester Kindheit. Jeden Samstagnachmittag wurde die gute Stube gesperrt ( da waren noch vier andere Geschwister) und am Esstisch saßen große und kleine Kinder, die zum Flötenunterricht kamen.
Ich – erst fünf – drängelte so lange bis ich mit dabei sein konnte. Sie brachte mir die Flötentöne bei und ich lernte Noten lesen bevor ich lesen und schreiben konnte.
Dann starteten die typischen Musikaktivitäten einer rheinischen Kleinstadt in den sechziger Jahren:  An besonderen Festtagen spielte ich mit anderen in der Kirche, in der Schule trat ich dem Blockflötenorchester, später dem klassischen Orchester mit der Querflöte bei und fuhr einmal jährlich auf Orchesterfahrt. Es bildete sich ein Jugendchor mit Band und ich mischte überall mit – Musik war mein soziales Umfeld.
Nach meinem Umzug nach Berlin und der Aufnahme meines Berufes als Sonderpädagogin ruhte die Querflöte immer mehr in der Kommode. Zwar hörte ich noch immer mit Begeisterung Musik, aber selbst spielte ich immer weniger. Ich probierte mich aus in Percussion und TaKeTiNa, spielte auf afrikanischen Tommeln und in der Sambagruppe, aber der Funke sprang nicht mehr so richtig.
Doch dann geschah das Unerwartete:
Im Frühjahr 2004, wenige Monate nach seiner Gründung, hörte ich das FBOB mit seinen ersten beiden präsentablen Stücken und war begeistert vom Klang dieses außergewöhnlichen Blasorchesters. Ich meldete mich zur Probe an und tauchte ein in das wunderbare Orchestergefühl, das mir lange so vertraut gewesen war. Gleich am ersten Abend sprudelte es springlebendig aus den Tiefen meines Herzens. Teil eines solchen Zusammenspiels zu sein gibt  ein unvergleichliches Gefühl.
Eine ganz neue Lust zu musizieren breitete sich aus in mir. Aus Klassik und Barock kommend genoss ich jetzt auch ganz andere Genres und begeisterte mich für Swing, Jazz und zeitgenössische Klassik.
Wenn ich zu Hause oder draußen in der Natur für mich spiele habe ich die Fantasie, dass die Flötentöne wie eine Silbermöwe im Sonnenlicht blinken, frei im Wind, über mir die Weite des blauen Himmels.
Im letzen Jahr lockte mich aber auch zunehmend die Erdverbundenheit der Bassinstrumente.
Immer mehr faszinierte mich die Bassklarinette, deren rauchiger  Klang mir den dunkelroten Samt einer Backararose vor die Augen zaubert. Seit Anfang des Jahres spiele ich nun auf diesem wunderschön anzuschauenden Instrument und kann schon bei der kleinen Schwester des FBOB „Holz und Blech“ dabei sein.

Diese Schwestern – schon wieder Glück gehabt