Porträt des Monats
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Doch bevor ich weiter ins pseudophilosophierende Schwafeln
abdrifte, zurück zu den Fakten: im FBOB spiele ich Klarinette.
Aufmerksame Lesende dieser Porträtreihe wissen: Das hatten wir doch
schon ein paar Mal. Kein Wunder, sind wir doch zahlenmäßig die
stärkste Gruppe. Genau wie Sabinen (oder Sabinchen?!). Dies war dann
auch die erste Lektion, die ich im FBOB lernte: in einem
symphonischen Blasorchester fungieren die Klarinetten als Geigen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich auf diese Weise einmal in die „erste
Violine“ gerate. Im zarten Alter von 14 erprobte ich mich in der
(echten) zweiten Violine, damals noch im Musikschulorchester von
Mittweida (= Kleinstadt in Mittelsachsen, von regionalen
Liebhaberinnen auch als „Perle des Zschopautals“ geadelt). Doch fand
ich mehr Vergnügen am Bratschespielen, insbesondere im Orchester.
Dort saßen wir Violen in der hinteren Reihe, kurz vor den Bläsern.
Dort fand sich in der Regel die ausgelassenste Stimmung während der
Probe – nicht immer zum Vergnügen der Orchesterleiter, denen ich so
nach und nach bei meinem Weg über Leipzig (Ausbildung und einige
Jahre Berufstätigkeit in der Krankenpflege) nach Berlin (Studium von
Sozialpädagogik und Gesundheitswissenschaften, heute als Referentin
im Landesverband der Diakonie in unserer reizvollen Stadt hängen
geblieben und mittlerweile auch sozial angewachsen) begegnete.
Im Rahmen meiner Wandlung zur Berlinerin vor knapp zwanzig Jahren
überprüfte ich meine musikalischen Gelüste, kam zum Ergebnis, dass
Neues hermüsste, schwankte ein Jahr zwischen Saxophon, Oboe und
Klarinette und entschied mich nach intensivem Giora-Feidman-Kassetten-Konsum
(ich gehör(t)e auch zur Fangemeinde!) schließlich für die
„Schwarzwurzel“. Klangliche Modulationsmöglichkeiten und Kleinheit
des Instruments entzücken mich noch heute.
Wahrscheinlich ist es mit dieser Musizierbiographie kein Wunder,
dass ich dann Ende der Neunziger auch ernsthafter bei einem weiteren
Instrument, der „Vox Humana“, landete. Sowohl Bratsche als auch
Klarinette ähneln dem Klang der menschlichen Singstimme. Während ich
früher meinte, dass Singen ja wohl jede/r irgendwie kann und mächtig
stolz war, richtige Instrumente spielen zu lernen, wurde und werde
ich beständig demütiger.
Von perfekter Beherrschung „meiner“ Instrumente bin ich weit
entfernt.
Doch erlebe ich sowohl im „Frauenblasorchester Berlin“ als auch bei
meinem Zweit- und Drittensemble, den „Tontauben“ und im „Berliner
Vokalkreis“, immer wieder perfekte Momente, die sich anfühlen, als
ob Himmel und Erde sich küssten! Und die möchte ich keinesfalls
missen – auch nicht die vielen wertvollen Begegnungen mit
Gleichgesinnten und wenigstens zeitweilig Gleichgestimmten darin.
Drum schließ ich jetzt frei nach ABBA mit: Danke für die Musik. Gäbe
es die nicht, müsste man/frau sie glatt erfinden!