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Porträt des Monats

Sabine Möller 

Sabine Möller
Ich heiße Sabine, feiere in diesem Monat (Oktober 2009) mein zweijähriges FBOB-Mitspieljubiläum und werde jetzt eine Ode an die Freude durch Musik anstimmen!
Jawohl, ich musiziere von Herzen gern, weil mir das als eine phantastische Ergänzung zum Leben drumherum erscheint. Das habe ich nicht immer so erlebt. Doch je älter ich werde – immerhin jetzt schon 45,5 Jahre – desto mehr wird mir bewusst, wie intensiv selbsterzeugtes Klingen, Schwingen und Tönen im Körper Resonanz findet und wenigstens zeitweise Teil meiner Identität wird, wenn ich beispielsweise tagelang von ein paar swingenden Harmonien verfolgt werde oder mit einer Textzeile aus einer Bachkantate in Endlosschleife verbunden bleibe. So altmodische Begriffe wie Zufriedenheit und Erfüllung kommen mir dazu in den Sinn.

Doch bevor ich weiter ins pseudophilosophierende Schwafeln abdrifte, zurück zu den Fakten: im FBOB spiele ich Klarinette. Aufmerksame Lesende dieser Porträtreihe wissen: Das hatten wir doch schon ein paar Mal. Kein Wunder, sind wir doch zahlenmäßig die stärkste Gruppe. Genau wie Sabinen (oder Sabinchen?!). Dies war dann auch die erste Lektion, die ich im FBOB lernte: in einem symphonischen Blasorchester fungieren die Klarinetten als Geigen. Ich hätte nie gedacht, dass ich auf diese Weise einmal in die „erste Violine“ gerate. Im zarten Alter von 14 erprobte ich mich in der (echten) zweiten Violine, damals noch im Musikschulorchester von Mittweida (= Kleinstadt in Mittelsachsen, von regionalen Liebhaberinnen auch als „Perle des Zschopautals“ geadelt). Doch fand ich mehr Vergnügen am Bratschespielen, insbesondere im Orchester. Dort saßen wir Violen in der hinteren Reihe, kurz vor den Bläsern. Dort fand sich in der Regel die ausgelassenste Stimmung während der Probe – nicht immer zum Vergnügen der Orchesterleiter, denen ich so nach und nach bei meinem Weg über Leipzig (Ausbildung und einige Jahre Berufstätigkeit in der Krankenpflege) nach Berlin (Studium von Sozialpädagogik und Gesundheitswissenschaften, heute als Referentin im Landesverband der Diakonie in unserer reizvollen Stadt hängen geblieben und mittlerweile auch sozial angewachsen) begegnete.

Im Rahmen meiner Wandlung zur Berlinerin vor knapp zwanzig Jahren überprüfte ich meine musikalischen Gelüste, kam zum Ergebnis, dass Neues hermüsste, schwankte ein Jahr zwischen Saxophon, Oboe und Klarinette und entschied mich nach intensivem Giora-Feidman-Kassetten-Konsum (ich gehör(t)e auch zur Fangemeinde!) schließlich für die „Schwarzwurzel“. Klangliche Modulationsmöglichkeiten und Kleinheit des Instruments entzücken mich noch heute.

Wahrscheinlich ist es mit dieser Musizierbiographie kein Wunder, dass ich dann Ende der Neunziger auch ernsthafter bei einem weiteren Instrument, der „Vox Humana“, landete. Sowohl Bratsche als auch Klarinette ähneln dem Klang der menschlichen Singstimme. Während ich früher meinte, dass Singen ja wohl jede/r irgendwie kann und mächtig stolz war, richtige Instrumente spielen zu lernen, wurde und werde ich beständig demütiger.
Von perfekter Beherrschung „meiner“ Instrumente bin ich weit entfernt.

Doch erlebe ich sowohl im „Frauenblasorchester Berlin“ als auch bei meinem Zweit- und Drittensemble, den „Tontauben“ und im „Berliner Vokalkreis“, immer wieder perfekte Momente, die sich anfühlen, als ob Himmel und Erde sich küssten! Und die möchte ich keinesfalls missen – auch nicht die vielen wertvollen Begegnungen mit Gleichgesinnten und wenigstens zeitweilig Gleichgestimmten darin.
Drum schließ ich jetzt frei nach ABBA mit: Danke für die Musik. Gäbe es die nicht, müsste man/frau sie glatt erfinden!