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Mind the gap between the train and the platform … If you see or hear anything suspicious please inform a member of staff immediately … We regret to announce that the 12:45 service to Stansted Airport is delayed by approximately 35 minutes . There has been a gate change. Air Berlin flight 8541 will now depart from Gate 33 … Willkommen in Berlin Tegel. Bitte bleiben Sie angeschnallt sitzen, bis das Flugzeug die Parkposition erreicht hat... Nächster Halt: Jakob-Kaiser-Platz. Umsteigen in die U7... Nach Steglitz: Zuuurückbleeeem! (Na ja, das nicht mehr, obwohl’s so schön war!) Manche Frauen haben einen etwas längeren Anfahrtsweg zur Orchesterprobe. Meiner ist ziemlich genau 1000 km lang. Ich bin nämlich leidenschaftliche Wahlberlinerin im freiwilligen Teilzeitexil in London. 1992 zog ich wegen der Liebe für „ein, zwei Jahre“ an die Themse – und 16 Jahre später bin ich immer noch da. Mein Beruf - ich bin Redakteurin einer wissenschaftlichen Zeitschrift - hat den Vorteil, dass ich ihn größtenteils im Internet ausüben und deshalb im Frauenblasorchester mitspielen kann. Die Hälfte der Proben schaffe ich, und während der anderen Hälfte bin ich sehnsüchtig in Gedanken bei den Mädels in Kreuzberg und puste in trauter Einsamkeit in meine Klarinette. Zu diesem Behufe haben wir unten im Garten ein Häuschen, wo ich hemmungslos Etüden üben kann. Nach 377-mal In the Mood können Nachbars Katzen inzwischen ganz passabel swingen. Ans Klarinette spielen bin ich im Kino gekommen, durch Giora Feidmanns Spiel in Jenseits der Stille. Das wollte ich auch, mich so ausgelassen, melancholisch, so lebensnah in Klang ausdrücken können. Inzwischen ist klar, dass mir das nie gelingen wird, aber immerhin hat die Obsession dazu geführt, dass ich das Glück hatte, bei Astrid Graf Klarinette zu lernen und ein paar Jahre später Mitglied des Frauenblasorchesters zu werden. So schaukelt mein Leben hin und her. Wenn ich gerade mal wieder so richtig die Nase voll habe vom Londoner Nahverkehrsunwesen, kann ich umgehend nach Berlin entfliehen. Und wenn mich da der Heißhunger auf ein anständig scharfes Kerala-Fischcurry überfällt, ist der Rückflug nicht fern. Ich pendle alle 10-14 Tage von Südlondon nach Friedenau, vom Häuschen mit Garten in die Stadtwohnung mit Balkon, vom multikulturellen Kosmos an der Themse zum vergleichsweise homogenen Kiez an der Spree. Ich liebe das Grün von Berlin, seine Weite, seine Dynamik bei trotzdem gemütlichem Tempo, die Vielfalt der Interessen und Talente in dieser Stadt, das Gefühl dazuzugehören. Ich kenne keine andere Weltstadt, in der man so billig so gut leben kann. An London mag ich die City - den vielschichtigen, engen Teil der Stadt, voller alter und neuer Geheimnisse -, die hervorragenden Restaurants. (Ja doch! Es gibt sie! Man muss nur Geld haben ...) Ich bin noch immer fasziniert von der Verschiedenheit einzelner Bezirke: Kensington ist von Southall ungefähr so weit entfernt wie Zehlendorf von Karachi, und zwar in mehreren Dimensionen. Am südlichen Themseufer entlang laufen ist herrlich – wo sonst kann man auf 4 km mehrere Jahrhunderte Geschichte betrachten und dabei Pommes mit Essig futtern? Außerdem ist die Umgebung von London wunderschön: es gibt windschiefe alte Weiler, wo sonntags auf dem Dorfanger Kricket gespielt wird und alles so aussieht wie zu Dickens’ Zeiten. Aber das Gefühl, dazuzugehören, das habe ich nicht. England ist nicht so – die Briten pflegen andere Beziehungen als wir – unverbindlicher, distanzierter, bisweilen amüsanter. Womit wir wieder beim Frauenblasorchester wären. Wir sind gar nicht unverbindlich! Wir sind herzlich, wild und witzig. Wir können vor Lachen über uns selbst fast vom Stuhl fallen oder vor Andacht eine Gänsehaut kriegen. Wir wundern uns manchmal, woher Astrid den Glauben nimmt, dass wir ein Stück werden spielen können. Jede ist mal genervt oder schleppt sich müde in die Probe. Aber wenn alles klappt, wenn wir wirklich gut zusammenspielen, wenn die Musik sich von uns löst und wir sie gleichzeitig spielen und im Herzen hören, ist das Glück. Und dann will keine von uns woanders sein. |